DIABETES UND… DIE AUSWIRKUNGEN VON STIGMAS AUF DIE PSYCHISCHE GESUNDHEIT

11/17/20
GESCHRIEBEN VON: Ebbe Silva
 

 

Es ist der Nationale Monat zur Sensibilisierung für Diabetes! Diese Woche teilen wir Geschichten von #DiabetesAnd – die Erfahrungen, Identitäten und Herausforderungen, mit denen wir zusätzlich zu und gleichzeitig mit unserem Diabetes leben und die Einfluss auf unser Leben mit Diabetes haben. Vielen Dank an unsere Freunde bei Insulet, Hersteller des Omnipod Insulin-Management und Anwendungssystems, dafür, dass sie diese Unterhaltung so unterstützen.

Hier hören wir heute von Ebbe Silva, dem Gründer von XLBiking.com (verfügbar auf Englisch, Schwedisch, and Portugiesisch), der mit Diabetes Typ 2 lebt, von seinen Erfahrungen mit #DiabetesAnd Stigmas. Dieser Artikel erscheint auch auf Beyond Type 2, aber Ebbes Perspektive enthält Wissenswertes für jeden in der Diabetes-Gemeinschaft. Nehmen Sie online an der Unterhaltung Teil, wo sie die die #DiabetesAnd-Erfahrungen anderer lesen und Ihre eigenen posten können, indem Sie den Hashtag #DiabetesAnd verwenden

 


DIE GESCHICHTE MEINER DIAGNOSE

Mein Augenarzt hat mir das Leben gerettet. Ich habe schon immer Brille getragen und war meistens ganz glücklich, wenn es an der Zeit war, einen neuen Rahmen auszuwählen, aber während einer Routineuntersuchung hatte sich meine Sehstärke drastisch verändert. „Sind Sie Diabetiker?“, fragte der Arzt. Die Frage überraschte mich. Meine Antwort: „Nicht, dass ich wüsste!“

Jetzt bin ich zwar Familientherapeut, aber in der Vergangenheit musste ich der Arbeit wegen mehrmals im Jahr um die Welt fliegen. Verschiedene Zeitzonen, Kulturen und Essgewohnheiten machten es schwierig, sich an beständige Ernährung zu halten. Klar, schieb es auf die Arbeit, nicht wahr? Nicht so schnell! Ich hatte die perfekte Ausrede zum Trostessen. Es war so etwas wie ein ungeschriebener Vertrag mit mir selbst – ich mochte es nie, zu rauchen oder zu sehr dem Alkohol nachzugeben, also kann ich stattdessen essen! Dazu kommt, ich liebe es zu kochen! Später habe ich herausgefunden, das smit Diabetes Typ 2 Nahrung und Essen selbst nicht das Problem sind. Es war bloß, wie ich damit umging!

“Ich empfehle, dass Sie sich auf Diabetes testen lassen”, sagte der Doc und holte mich damit in die Realität zurück. Ein paar Monate später erhielt ich die Diagnose – Diabetes Typ 2. Mein Hausarzt meinte, dass ich schon lange Diabetes hatte, aber einfach nichts davon wusste. Glücklicherweise war ich weder Raucher noch trank ich bis zum Exzess, und wenn ich zu Hause war, ging ich viel zu Fuß, um Bewegung zu bekommen. Ich mag Ziele, und die Diagnose gab mir genau das – ein konkretes Ziel, dass es zu erreichen galt! Ab jetzt wird das Leben anders, dachte ich, und auf vielerlei Weise stellte sich das als wahr heraus.

MIT DEM STIGMA EINER NEUEN DIAGNOSE UMGEHEN

Hier in Schweden hält sich die alte Meinung, dass Diabetes Typ 2 die Krankheit der “Fetten und Faulen” ist, noch ziemlich gut. Nicht nur glaubt das die Allgemeinheit, sondern manche Ärzte beachten Familiengeschichte, genetische Prädisposition, andere mögliche Ursachen oder anhaltende und zugrundeliegende Krankheiten überhaupt nicht, wenn es um gesundheitliche Behandlungen geht. Stattdessen sagen viele lakonisch „Sie sind fett und das ist eine Krankheit, die die Regierung eine Menge kostet – nehmen Sie ab!“

Freunde fangen an, einen anders anzusehen, und man riskiert sogar, seine Arbeit zu verlieren wie vor einigen Jahren eine 24 Jahre alte junge Schwedin, der ein potenzieller Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch sagte: „Ich weiß jetzt schon, dass Sie viele Krankentage nehmen werden müssen. Mit Ihrem Übergewicht sitzen Sie ja herum und essen Süßigkeiten… Sie haben die richtigen Qualifikationen, aber…”

Wegen der Annahmen, die über mich gemacht wurden, und der Stigmas, mit denen ich zu tun bekam, rang ich mit der Situation im Stillen, was nicht gerade half. Ich musste eine Sache finden, die ich mit Leidenschaft tun kann, damit ich bei der Sache bleibe und meine Blutzuckerwerte auf einem gesunden Niveau halten kann. Die Antwort kam auf zwei Rädern und mit jeder Menge Spaß! Ein einfaches Fahrrad!

Ich konnte nicht wissen, dass die Radfahrerkultur und die Fahrradindustrie unter den strengsten im Umgang mit übergewichtigen Menschen und Personen mit Diabetes sind. Ich betrat die Gefilde der unglaublich Fitten und Schlanken. Wie konnte ich es wagen, den Frieden mit meinem umfangreichen Leib zu stören, den ich in Kleider gehüllt hatte, die nur ihnen vorbehalten waren? Ich sagte mir “Auf geht’s!” Jeder hat das Recht, Fahrrad zu fahren ganz wie sie Lust haben und ´die Entscheidung, wer es richtig und wer es falsch macht, sollte nicht im Ermessen einer bestimmten Gruppe “Velominati“ liegen.

MEINEN EIGENEN WEG IM RADFAHREN FINDEN

Ich entschloss mich dann, meine Reise als übergewichtige Person mit Diabetes im Radfahren in den sozialen Medien zu teilen, und damit entstand XL Biking! Na ja, XL-Biking um genau zu sein, was meine Hemdengröße zu dem Zeitpunkt war.

Bald gesellten sich andere hinzu und wir begannen, uns gegenseitig online zu inspirieren und zu motivieren. Mit dem Wachsen der Gruppe stellten wir fest, dass sich Personen in unterschiedlichen Lebenssituationen von der Radfahrercommunity und Fahrradindustrie ausgeschlossen und schlecht behandelt fühlten. Personen aus der LGBTQ-Szene, Personen im Autismus-Spektrum, Frauen, die in Fahrradclubs ständig wegen ihrer Figur und ihres Gewichts schikaniert wurden und viele andere.

Ich entschied dann, die Bedeutung unseres Namens zu ändern. XL Biking bedeutet jetzt, dass unsere Gruppe Extragröße hat, damit sie zu allen passt! Zu dem Zeitpunkt wurde unser Logo entworfen, die großen Buchstaben reflektieren Größe und Modernität, der blaue Hintergrund ist eine Hommage an Asperger-Syndrom (zwei meiner Kinder sind im Spektrum), und die lebhaften Farben des Worts „biking“ stehen für Vielfalt, Toleranz, Respekt und Liebe. Und schließlich ist die runde Form des Logos genau wie wir: rund! Ein einfacher Touch der sagt, dass wir unseren Humor nicht verloren haben und, viel wichtiger: Wir sind nicht militant mit dem Negativen, sondern aktiv mit dem Positiven!

Das Leben mit Diabetes ist immer herausfordernd, aber jetzt war es auch irgendwie cool! Ich habe so viel Ermutigung gefunden in den unzähligen Nachrichten, die wir von anderen Diabetikern erhalten haben, die unsere Herausforderungen nachvollziehen können! Worte der Unterstützung, Akzeptanz, Motivation, Liebe und Spaß am Radfahren flatterten herein und halfen mir sehr mit meiner psychischen Gesundheit! Ich hatte eine ganze Weile mit Depressionen zu kämpfen, aber plötzlich ertappte ich mich dabei, wie ich andere ermutigte! Auf die Glucosewerte zu achten, war plötzlich nicht länger eine Last, sondern ein Werkzeug! Nicht mal mein schwankendes Gewicht belastete mich mehr, wir sind ja mit Herausforderungen in die Szene gekommen und haben ein Team aufgebaut! Dieses Jahr sind wir alle Strecken des größten schwedischen Radfahrevents, des Vätternrundan, gefahren – und ich habe meine erste Medaille im Radfahren erhalten!

 

Die Erinnerungen an das Stigma, die Vorurteile, Leute, die mich fürs Dicksein auf einem Fahrrad angepöbelt haben, die Drangsalierungen und das Gelächter, bei dem ich am liebsten im Boden versunken wäre, sind immer noch da. Ich muss immer noch eine Menge geistiger Gymnastik absolvieren, bevor ich zum Fahrradfahren das Haus verlassen kann. Manchmal rollt mir immer noch die ein oder andere Träne über die Wange. Aber heutzutage enden manche davon weiter unten auf einem Lächeln.

Diabetes und Radfahren haben mir den Weg in ein neues Leben gezeigt, ein Leben voller Möglichkeiten! Einen aktiven Lebensstil zu leben hat nichts mit der Figur, Kleidergröße, Diabetes oder ähnlichem zu tun. Es ist eher eine active, bewusste Entscheidung, die jeder machen darf! Ich und XL Biking sind hier, um der Gesellschaft das zu verstehen zu helfen und um andere auch dazu zu motivieren und zu inspirieren! Die einfache Tatsache, dass ich hier heute sitze und das mit Ihnen teile ist das Unmögliche möglich gemacht – man muss nur daran glauben!

 


Sie möchten auch Ihre #DiabetesAnd-Geschichte teilen? Nehmen Sie online an der Unterhaltung Teil, wo sie die die #DiabetesAnd-Erfahrungen anderer lesen und Ihre eigenen posten können, indem Sie den Hashtag #DiabetesAnd verwenden

 



Ebbe Silva

Ebbe Silva ist Motivationsredner und Familientherapeut bei Family-Lab.se in Schweden. Er ist der Gründer von Xlbiking.com und stolzer Vater von 4 erwachsenen Kindern. Er fährt das ganze Jahr über Fahrrad als Strategie, seine Blutzuckerlevel im gesunden Bereich zu halten.